Samstag, 23. Mai 2026

Etappe 9: Marseille – La Penne-sur-Huveaune  

18 km ab Gare de la Barasse

Im Oktober 2025 starteten wir unseren Pilgerweg auf den Spuren der Maria Magdalena. Heute, am 23. Mai 2026, setzen wir unsere Wanderung fort. In wenigen Tagen werden wir unser Pilgerziel nördlich von Marseille erreichen, Saint-Maximin-la-Sainte-Baume.

Mit der Metrolinie M2 fahren wir zunächst von Marseille Hauptbahnhof St-Charles nach Sainte-Marguerite-Dromel. Dort steigen wir um in den Bus zur Gare de la Barasse. Hier starten wir in den Trail – schon nach wenigen Schritten tauchen wir in eine völlig andere Welt ein: den Parc National des Calanques.

Der 2012 gegründete Nationalpark zählt zu den jüngsten Frankreichs. Zwischen Marseille, Cassis und La Ciotat schützt er eine einzigartige Landschaft aus schroffen Kalksteinmassiven, tief eingeschnittenen Tälern und den berühmten Calanques – fjordartigen Meeresbuchten mit ihrem intensiv türkisfarbenen Wasser.

Obwohl die Millionenstadt Marseille nur wenige Kilometer entfernt liegt, wirkt diese Landschaft ursprünglich und menschenleer. Karge Böden, salzhaltige Meeresluft und die intensive Sonne prägen eine Pflanzenwelt, die perfekt an das mediterrane Klima angepasst ist. Rosmarin, Thymian, Wacholder, Zistrosen und die silbrig schimmernde Immortelle werden uns die kommenden Tagen mit ihrem unverwechselbaren Duft begleiten.

Schon zu Beginn fordert uns der Weg. Über einen steilen, fast alpinen Anstieg gewinnen wir rasch an Höhe und erreichen den Vallon des Escourtines. Nach den ersten schweißtreibenden Höhenmetern gönnen wir uns eine kurze Pause und genießen die Ruhe dieser beeindruckenden Landschaft.

Wie hat Maria Magdalena diese Gegend erlebt? Warum zog sie sich aus dem öffentlichen Leben zurück, verließ Marseille nach einigen Jahren des Missionierens, um in einer Höhle hoch oben im Massif de la Sainte-Baume wie eine Eremitin für 30 Jahre zu leben?

Unser Weg folgt dem GR 2013 über aussichtsreiche Höhenzüge. Mit jedem Schritt öffnet sich ein noch beeindruckenderes Panorama. Der Blick reicht über Marseille bis zur Küste bei Cassis und weit ins Landesinnere. In der Ferne glauben wir bereits das Massif de la Sainte-Baume zu erkennen. Über steinige Kammwege wandern wir durch die typische Garrigue der Provence und erreichen schließlich den Höhenzug Le Télégraphe.

Während wir dort stehen, wird uns bewusst, dass von diesem Ort einst Nachrichten durch ganz Frankreich gesendet wurden. Heute sind es keine Signale mehr, die weitergegeben werden, sondern Eindrücke und die Erfahrung des Unterwegsseins.