Mittwoch, 27. Mai 2026

Etappe 12: Rougiers – Saint-Maximin-la-Sainte-Baume

8 km

Unser letzter Pilgertag beginnt in Rougiers. Die Gastgeberin, bei der wir übernachten durften, ist den Pilgerweg bereits gegangen. Genau wie uns fehlen ihr aber noch die letzten Kilometer bis zur Basilika Sainte-Marie-Madeleine. So machen wir uns gemeinsam auf den Weg, zunächst durch ein kleines Flusstal. Frösche quaken zwischen Schilf und Uferpflanzen. Ein schmaler Bewässerungskanal begleitet unseren Weg. Nach den Höhenzügen und weiten Ausblicken der vergangenen Tage wirkt die Landschaft beinahe unscheinbar – als wolle sie uns behutsam unserem Ziel entgegenführen.

Gerade die letzten Kilometer tragen eine besondere Stimmung in sich. Wehmut und Freude gehen Hand in Hand. Eine Pilgerreise voller Begegnungen, beeindruckender Landschaften und unvergesslicher Eindrücke neigt sich ihrem Ende zu. Gleichzeitig wächst mit jedem Schritt die Vorfreude auf Saint-Maximin-la-Sainte-Baume.

„Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“ Psalm 121,8

Vielleicht beschreibt dieser Psalm das Wesen des Pilgerns besonders treffend. Man bricht auf und kommt an – und bleibt doch immer unterwegs. Wege verändern sich, Landschaften wechseln, Menschen begleiten uns ein Stück und verabschieden sich wieder. Was bleibt, sind Erfahrungen, Erinnerungen und eine tiefe Dankbarkeit.

Noch gehen wir schweigend durch das Tal und genießen diese letzten gemeinsamen Kilometer. Denn auch sie sind bereits Teil des Ankommens.

Ankunft in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume

Nach vielen Tagen auf den Wegen der Heiligen der Provence erreichen wir schließlich die Basilika Sainte-Marie-Madeleine in Saint-Maximin-la-Sainte-Baume – das geistliche Ziel unseres Pilgerweges. In dem Moment sind wir wie befreit und überglücklich. Wenn wir unsere Fotos von der Ankunft im nachhinein betrachten, liegt etwas Seliges darin 🙂

Die mächtige gotische Basilika wurde Ende des 13. Jahrhunderts unter Karl II. von Anjou errichtet und zählt bis heute zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten Frankreichs. Seit der Auffindung eines Sarkophags im Jahr 1279 werden hier die Reliquien der Maria Magdalena verehrt. Im Herzen der Kirche, tief in der Krypta, befindet sich der Reliquienschrein mit dem Haupt der Heiligen. Daneben werden weitere Reliquien aufbewahrt, darunter ein Büschel Haare, das wir während einer Führung auch besichtigen durften. Ein ehrfürchtiger Moment! Denn dem Haar kommt in der Überlieferung eine besondere Bedeutung zu, denn das Johannesevangelium erzählt, dass Maria Magdalena die Füße Jesu mit ihrem Haar trocknete.

Ob Legende oder historische Überlieferung – seit Jahrhunderten kommen Menschen an diesen Ort, um Trost, Hoffnung und Orientierung zu finden. Nach den stillen Wegen der Camargue, den Küstenlandschaften rund um Marseille, den Wäldern des Sainte-Baume und vielen Kilometern zu Fuß stehen wir nun am Ziel unserer Pilgerreise.

Der Weg geht weiter

„Maria!“ – Da wandte sie sich um. Johannes 20,16

Mit diesem einen Wort beginnt für Maria Magdalena die Ostergeschichte. Sie erkennt den Auferstandenen nicht zuerst mit den Augen, sondern mit dem Herzen.

Auch uns hat Maria Magdalena auf den Wegen der Provence begleitet – als Weggefährtin, Hoffnungsfigur und Sinnbild für die Suche nach ihr, dem Licht. Dankbar denken wir an all die Menschen, die diesen Weg lebendig machen: an unsere Gastgeberinnen und Gastgeber, an Ehrenamtliche, Wegbereiter und Wegbegleiter. Durch ihre Gastfreundschaft, ihre Zeit und ihr Engagement wird aus einem Wanderweg ein Pilgerweg.

Wir danken für die Bewahrung auf allen Kilometern, für Gesundheit, für wertvolle Begegnungen und für die vielen kleinen und großen Momente des Staunens.

Unser äußerer Weg endet hier – vor der Ruhestätte der Maria Magdalena.

Doch jeder Pilger weiß: Der innere Weg geht weiter!