Sonntag, 26. Oktober 2025:

3. Etappe: Saint-Mitre-les-Remparts – Martiques 

18 km: leicht zu wandern, eher abschüssig, keine Steigung

Zwei Blasenpflaster, die besten Croissants aus der Patisserie les Remparts und es kann weiter gehen. Siena hat, weil sie Wasser aus den Pfützen getrunken hat, Durchfall. Wir nehmen daher mehr Frischwasser in Flaschen mit.

Unser Weg führt aus dem Dorf hinaus zur Fontaine du Loup, einer Quelle mit glasklarem Wasser – eine willkommene Erfrischung. Von dort geht es weiter durch Eichenwälder. Wir bestimmen Steineichen, Kermeseichen, leinblättrige Schleifenblumen und die dornige Ölweide. Der würzige Duft von Rosmarin begleitet uns.

Leider ist die Markierung im Waldgebiet oft unklar, und wir verlieren den Weg mehrmals, doch die Landschaft entschädigt uns jedes Mal. Bei Kilometer 5,9 plötzlich der Blick auf das Wasser des Etang de Berre. An seinem südlichsten Zipfel liegt Martiques unser Tagesziel. Tiefblau glitzert die Lagune. Das Ufer säumen tausende kleiner Herzmuscheln so weit das Auge reicht, ein azurblauer Himmel spiegelt sich im Wasser. Der Étang de Berre ist keine gewöhnliche Seenlandschaft: Der See ist eine große salzhaltige Lagune, etwa 25 km nordwestlich von Marseille. Verbunden mit dem Meer über den Kanal de Caronte, empfängt er Süßwasser von den Flüssen wie Arc, Touloubre und der Durance.

Der Mistral legt zu und schiebt am Himmel weiße Wolken vor sich her. Eine Gruppe von Segelbooten tanzt auf den kappeligen Wellen. Wir beobachten das See-Kino und freuen uns auf Martique und die Église Sainte-Madeleine-de-l’Île (1670) im historischen Viertel Île von Martigues.

Gegen Mittag erreichen wir Martigues. Kanäle durchziehen das historische Zentrum, Brücken verbinden die Viertel, und das Spiegeln der Fassaden im ruhigen Wasser erklärt schnell, warum Martigues oft als „Venedig der Provence“ bezeichnet wird.

Wir setzen uns vor die Église Sainte-Madeleine-de-l’Île, mitten im alten Inselviertel. Die Kirche wurde zwischen 1670 und 1680 errichtet und ist ein Beispiel barocker Baukunst in der Provence. Ihre zweigeschossige Fassade mit klar gegliederten Linien wirkt zugleich schlicht und elegant. Im Inneren überrascht ein heller, ruhiger Raum, dessen Wände mit Gemälden des 18. Jahrhunderts geschmückt sind. Besonders prägend ist die Orgel von Prosper-Antoine Moitessier aus dem Jahr 1851, deren Klang die Kirche bis heute erfüllt.

Die Kirche ist Maria Magdalena geweiht. Wir entdecken ein kleines Relief: In der Darstellung kniet Maria Magdalena vor uns, in stiller Andacht, unter der Jakobsmuschel, Symbol für Pilgerschaft und spirituelle Reise. Sie hält ein Kreuz in den Händen, auf das sie traurig und demütig blickt. Ihr Blick erzählt von Schmerz, Reue und zugleich tiefer innerer Einkehr. Gleichzeitig wirkt sie anmutig und hoffnungsvoll, als trüge sie die Last der Welt mit Würde.

Eigentlich wären wir im Hotel Renaissance in Martiques abgestiegen, aber der Anruf am Morgen ergibt, unsere Reservierung hat das Hotel nicht erreicht und malhereusement – sie sind ausgebucht! Was tun? Wir gehen die Adressen der Privatunterkünfte durch und schon beim zweiten Anruf bekommen wir eine Zusage. Wir erfahren französische Gastfreundschaft par excellence. Einfach, selbstverständlich und von Herzen gütig! Dank Cordulas perfektem Französisch erfahren wir von unseren Gastgebern beim Abendbrot noch viel Neues über die Route der Maria Magdalena …